Wenn es zu Ende geht, dann geht es nicht nur bergab. Sterbende Menschen haben Wünsche, Bedürfnisse, Erfolgserlebnisse und eine Eigenständigkeit, die es zu erhalten gilt. Palliativpflege ist ein schwieriges, aber für viele auch bereicherndes Gebiet. Es braucht viel Kraft und Ruhe, um Patient(inn)en in dieser Lebensphase zu unterstützen.
Nicht nur Symptomlinderung
Der Lebensabend sollte kein reines “Warten auf den Tod” sein. Es ist wichtig, sterbende Menschen in den letzten Lebensjahren oder -monaten weiterhin als aktive Mitglieder der Gesellschaft zu verstehen. Wir sollten sie ermutigen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv zu bleiben, damit Sie für sich einen Sinn im Leben behalten können und auch noch über den ein oder anderen Witz lachen können.
Palliative Care ist ein interdisziplinärer Ansatz, der auch im Deutschen meist nicht übersetzt wird. Die Palliativpflege ist dabei nur ein Teilbereich der Versorgung für Menschen am Lebensende. Bei Palliative Care geht es nicht nur um die medizinische Linderung von Schmerzen und Symptomen, auch wenn dies ein zentraler Punkt der Versorgung ist. Menschen sind soziale Wesen, die eine Aufgabe brauchen, um glücklich zu sein. Die eigene Aktivität und Teilhabe am sozialen Leben sind zentrale Faktoren für das Wohlbefinden, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Wichtige Impulse können deswegen von der Rehabilitation übernommen werden. Diese Forderung wird vom Dachverband HOSPIZ Österreich gerne betont. Palliative Care sollte heute nicht mehr nur Ärzte und Pflegepersonal einschließen, sondern auch Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Diätologie. Auch die Österreichische Palliativgesellschaft setzt sich für diesen interdisziplinären Ansatz ein, um die Lebensqualität der Patient(inn)en zu verbessern. Selbst am Ende des Lebens können Fertigkeiten wiedererlangt werden und Aktivitäten den Alltag erhellen.
Wo findet Palliative Care statt?
Palliative Care kann in verschiedenen Settings erfolgen: in Krankenhäusern, in Hospizen, sowie durch mobile Hospiz- und Palliativteams, die eine professionelle Betreuung im eigenen Zuhause ermöglichen. Das Ziel ist es immer, eine möglichst vertraute und unterstützende Umgebung für die Betroffenen zu schaffen und ihnen ein möglichst normales Leben zu bieten.
Weiterbildung Palliativpflege
Es stehen verschiedene Weiterbildungsangebote im Bereich der Palliative Care zur Auswahl. Diese können meist berufsbegleitend absolviert werden. Diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger/innen sowie Pflegefachassistent(inn)en und Pflegeassistent(inn)en können die Weiterbildung “Palliativpflege” an Gesundheits- und Krankenpflegeschulen oder beim IGSL Hospizbewegung in Wien absolvieren. DGKPs, PFAs sowie Personen in anderen MTD-Berufe können auch den 2-semestrigen Universitätslehrgang (an medizinischen Privatuniversitäten) “Palliative Care” besuchen. An der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg wird zudem ein Vertiefungs- und Masterlehrgang angeboten. An der MedUni Wien gibt es einen Master of Science Lehrgang mit dem Thema “Advanced Diseases”. Die Wahl des Ausbildungsplatzes hängt von der Vorbildung und den Kosten ab. Der Arbeitgeber (bzw. bei Arbeitssuchenden das AMS) kann die Fortbildungskosten je nach Übereinkunft teilweise oder gänzlich übernehmen.
Beihilfe zum Suizid
Seit 2022 ist assistierter Suizid in Österreich legal und seitdem auch ein wichtiges Thema in Zusatzausbildungen zur Palliative Care. Die Umsetzung ist stark reglementiert und setzt eine schwere unheilbare Erkrankung des/der Patient/in voraus. Der/Die Patient/in muss bei klarem Verstand sein und die Einnahme des letalen Präparats selbstständig durchführen können. Personengruppen mit starker kognitiver Beeinträchtigung sind also ausgeschlossen.
Bevor das Präparat in einer Apotheke abgegeben werden darf, sind eine notariell beglaubigte Sterbeverfügung nach 2-facher ärztlicher Aufklärung sowie eine mehrwöchige Wartefrist notwendig. Alles wird zudem elektronisch erfasst.
In dieser herausfordernden Phase steht die Palliativpflege dem Patienten oder der Patientin weiterhin empathisch zur Seite. Die Aufgabe der Pflegekräfte ist es, den/die Patient(inn)en in seiner/ihrer autonomen Entscheidung zu begleiten, ohne dabei zu werten. Sie bieten eine Atmosphäre der Akzeptanz, lindern weiterhin körperliche Beschwerden und schenken Zeit für Gespräche, um Ängste und letzte Wünsche zu adressieren. Eine offene und begleitende Haltung stellt sicher, dass sich der/die Patient/in auch in dieser Entscheidungssituation nicht isoliert fühlt, sondern bis zuletzt menschlich zugewandt versorgt wird.
Die Rolle der Angehörigen
In der Palliativpflege haben Angehörige einen größeren Anteil am Betreuungsprozess als in anderen Bereichen der Pflege. Es ist essenziell, sie aktiv einzubeziehen und ihnen Raum für ihre Ängste und Fragen zu geben. Vor allem in den letzten Tagen gilt es, Angehörige bei ihrem Abschied zu unterstützen und Ängste zu nehmen.
Es kann sehr erfüllend sein, Menschen auf ihren letzten Lebenswegen zu begleiten, Trost zu spenden, Interesse zu zeigen und zuzuhören, was sie erlebt haben und mitteilen möchten. Vor allem anfangs kann die Herausforderung und der alltägliche Umgang mit Tod und negativen Emotionen aber schwierig sein. Als Pflegekraft in einem Palliativteam ist es wichtig, einen Ausgleich im Privatleben zu schaffen, um die eigene psychische Gesundheit zu bewahren und langfristig mit dieser emotionalen Belastung umgehen zu können.