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Medicare

Vom Spital nach Hause: Wie die frühzeitige Einbindung von Homecare-Partnern die Bettenkapazität im Krankenhaus schont

Entlassmanagement richtig nutzen

Ein entscheidender Hebel für die Entlastung der Krankenhäuser liegt an der Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Ein professionelles Entlassungsmanagement und die frühzeitige Einbindung von Homecare-Partnern können entscheidende Vorteile bringen.

 

Krankenhausaufenthalt in Überlänge – Ein systemisches Problem mit Folgen

Krankenhäuser stehen unter einem enormen wirtschaftlichen und personellen Druck. Das LKF-System gibt vor, wie lange ein/e Patient/in mit einer bestimmten Diagnose im Durchschnitt stationär verbleiben sollte. Bleibt ein/e Patient/in länger, weil die Anschlussversorgung fehlt, entstehen dem Krankenhaus Kosten, die nicht mehr richtig gedeckt sind. Der Personalmangel setzt die Spitäler zusätzlich unter Druck. Oft fehlt es nicht an Betten, sondern an fachkundigem Personal, wenn keine weiteren Patient(inn)en mehr aufgenommen werden können.

Es geht nicht darum, die Versorgung zu verschlechtern und Patient(inn)en zu früh nach Hause zu schicken, sondern die Organisation zu verbessern, damit Patient(inn)en nicht unnötig lange bleiben müssen, wenn sie bereit für die Heimpflege wären. Es gilt, alles rechtzeitig zu organisieren, damit der Übergang nahtlos verlaufen kann. Viele Patient(inn)en erholen sich zu Hause ohnehin schneller, da sie sich in gewohnter Umgebung besser entspannen können.

 

MedHKP: Die Medizinische Hauskrankenpflege

Mit der professionellen Übernahme pflegerischer Tätigkeiten durch einen Homecare-Partner muss der/die Patient/in nicht mehr für rein pflegerische Verrichtungen im Spital bleiben. Ein zentrales Instrument in der poststationären Nachsorge ist die Medizinische Hauskrankenpflege (MedHKP). Sie unterscheidet sich von der allgemeinen Hauskrankenpflege dadurch, dass sie zeitlich begrenzt ist und nur von Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger(inn)en (DGKP) vorgenommen werden darf. Die MedHKP muss ärztlich verordnet werden und wird dann direkt mit den zuständigen Sozialversicherungsträgern abgerechnet. Sie umschließt nur medizinische Leistungen, keine Unterstützung im Alltag, wie die Körperpflege. Bis zu einem Zeitraum von 28 Tagen ist sie bewilligungsfrei. Bei Bedarf kann der Zeitraum allerdings verlängert werden. Das Krankenhaus kann die MedHKP zur sicheren Versorgung von Patient(inn)en nach der Entlassung direkt anordnen. Die Zuständigkeit ist je nach Bundesland unterschiedlich. In Wien ist z.B. der Fonds Soziales Wien zuständig.

 

Die MedHKP umfasst spezialisierte Leistungen, die oft eine frühere Entlassung ermöglichen:

  • Komplexes Wundmanagement und Kompressionstherapie: Fachgerechte Versorgung von postoperativen Wunden, Ulcus Cruris oder Dekubitus.
  • Verabreichung von Medikamenten, Injektionen und Infusionen, die sicher zu Hause durchgeführt werden können.
  • Stoma-, Fistel- und Katheterversorgung
  • Professionelle Anleitung für Patient(inn)en und Angehörige

 

Längere pflegerische Maßnahmen zu Hause bzw. zusätzliche Leistungen wie Mobilisation und Körperpflege können durch die allgemeine HKP abgedeckt werden. Diese muss selbst bezahlt werden. Es gibt allerdings Fördermöglichkeiten und die Möglichkeit der Beantragung einer Pflegestufe bei länger anhaltendem Bedarf. 

Sollte die Pflege zu Hause nicht ausreichen, kann auch ein Übergangspflegeplatz in einem Pflege- und Betreuungszentrum der Region organisiert werden. Dieser überbrückt die Dauer von bis zu 12 Wochen, in denen der/die Patient/in intensivere Pflege benötigt, bevor er/sie nach Hause oder eventuell in Reha gehen kann. 

 

Warum Entlassungsmanagement so wichtig ist

Angehörige sind keine Gesundheitsmanager. Sie haben nicht immer die Zeit und das Know-how sich mit neuen Situationen, wie Pflegebedarf, der schnellen Organisation von Hilfsmitteln oder der Umgestaltung der Wohnräume auseinanderzusetzen. Manchmal sind auch schlichtweg keine Angehörigen vorhanden, die sich kümmern könnten und Patient(inn)en sind nach der Entlassung auf sich alleine gestellt. Der Entlassungsbrief wirft dann oft mehr Fragen auf, als er Antworten gibt und auch der Hausarzt wartet manchmal zu lange auf konkrete Anweisungen. Vor allem, wenn Patient(inn)en zum ersten Mal häusliche Pflege benötigen, ist die Überforderung meist groß. Man weiß nicht, wo man nachfragen kann, woher man Hilfsmittel bekommt etc. Für den Übergang nach Hause ist eine Einschulung für Patient(inn)en und Angehörige wichtig, damit diese die Versorgung möglichst gut alleine oder mit Unterstützung mobiler Pflegedienste bewältigen können. Animieren Sie Patient(in)en dazu, Fragen zu stellen und den Umgang mit eventuellen Hilfsmitteln zu lernen!

Neben reinen Pflegeangeboten kann das Entlassungsmanagement auch zukünftige gesundheitsfördernde Maßnahmen empfehlen, wie z.B. passende Sportkurse, Physiotherapie oder Selbsthilfegruppen in der Region. So kann nicht nur der akute Fall versorgt werden, sondern der/die Patient/in auch zu einem langfristig gesunden Lebensstil animiert werden und eventuelle zukünftige Krankenhausaufenthalte minimiert werden. Ein gutes lokales Netzwerk ist entscheidend, um nötige Verbindungen zu schaffen, die Patient(inn)en langfristig unterstützen können.

Ein gutes Entlassungsmanagement kann spätere Probleme reduzieren, Patient(inn)en aufklären und mit einem guten Partnernetzwerk direkt nächste Termine koordinieren und Hilfsmittel organisieren. Ein reibungsloser Übergang funktioniert allerdings nicht auf Abruf am Tag der Entlassung. Gutes Entlassungsmanagement beginnt bereits am Tag der Aufnahme mit der Erhebung des Bedarfs für alle Patient(inn)en und organisiert alles im Laufe des Aufenthalts.

 

Warum ist eine Vorlaufzeit so wichtig?

  1. Bewilligungsprozesse: Manche Leistungen und benötigte Hilfsmittel (wie spezielle Wundauflagen) benötigen eine chefärztliche Bewilligung.
  2. Logistische Sicherheit: Die Bereitstellung von Pflegebetten oder medizintechnischen Geräten muss koordiniert werden, bevor ein/e Patient/in das Haus verlässt.
  3. Vermeidung von Re-Hospitalisierungen: Eine lückenlose Versorgung ab dem ersten Tag zu Hause verhindert weitgehend, dass Patient(inn)en aufgrund von Komplikationen oder Überforderung der Angehörigen sofort wieder stationär aufgenommen werden müssen.

 

Multidisziplinäre Zusammenarbeit

Ein gutes Entlassungsmanagement bündelt das Know-how aller Abteilungen für die Nachsorge. Die zentralen Ansprechpartner im Entlassungsmanagement können Nachsorgeempfehlungen von Pfleger(inn)n, Ernährungsberater(inn)n, Physiotherapeut(inn)en etc. sammeln und dann an die Patient(inn)en gebündelt und verständlich weitergeben, um Verwirrungen zu vermeiden. Moderne digitale Erfassungssysteme können hier sehr hilfreich sein. 

 

Strategischer Vorteil für Krankenhäuser

Krankenhäuser, die den Übergang in die häusliche Pflege als integralen Bestandteil ihres Behandlungspfades betrachten, positionieren sich als effiziente Akteure im Gesundheitsnetzwerk. Die Entlastung der Bettenkapazität ist untrennbar mit einem starken ambulanten Netzwerk verbunden. Mit einer funktionierenden Kooperation können nicht nur Ressourcen geschont werden, sondern auch die Patientenzufriedenheit gesteigert werden.


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